Schatztruhe
  • Gepostet am 2. September 2021

Ältere Menschen und die Farbe beige

Mit Farben spielen wir täglich. Wir überlegen stets, was wir anziehen sollen, den roten oder den blauen Pulli? 

Dabei sind warme und kalte Farben für fast jede und jeden ein Begriff.

Auch die Wirkung der Farben auf die Psyche sind fast jeder und jedem geläufig. Doch warum ist das so? Diese Beantwortung wird schwierig, und noch schwieriger ist die Beantwortung, warum ältere Menschen die Farbe „beige“ bevorzugten? Es war einst die sogenannte Farbe der Rentner und Rentnerinnen. Beige und Rentner, das war eine allgemein vertraute Verbindung. Erst durch eine beginnende öffentliche Thematisierung wurde „beige“ bewusster wahrgenommen, hinterfragt und es begann mit wachsendem Bewusstsein eine Änderung bei den Trägerinnen und Trägern.  

Dabei hat die Farbe beige durchaus ihre Berechtigung im Zusammenspiel mit anderen Farben. Vor allem ist sie aktuell im Wohnbereich ein Thema. Zunehmend wird sie dort wieder eingesetzt, wenn sogenannte Ruhepole als Behaglichkeitsinseln herausragen sollen, um eine sogenannte Wohlfühlatmosphäre auszustrahlen. 

Geschichte, Zeit, veränderte Umweltbedingungen beeinflussen Farbbevorzugungen, so wie nach dem Krieg, wo dunkle Farben Sicherheit und Geborgenheit vermitteln sollten und konnten. Später kam dann die Welle des klinischen Weiß mit geradlinigen schnörkellosen Möbelstrukturen. Die Zeiten werden unsicherer und scheinbar erobern Brauntöne erneut den Wohnbereich. Weiß wird zunehmen als kalt und unpersönlich wahrgenommen. 

Im Kleidungsbereich gilt beige noch immer als öde Farbe, und wird mit kräftigen Farben aufgehellt. Das war einst anders. Beige galt als vornehm, dezent, unaufdringlich, indirekt höflich zurückhaltend, besonders bei der Generation, die sich Zurückhaltung leisten konnte. Rentner und beige, das war wertgeschätzt, positiv besetzt, bis zum Verkehrsumbruch.  

Bei Senioren und Sennerinnen war es zudem ein gewisses traditionelles Verhalten, sich optisch durch die Farbe beige dezenter, gediegen zurückhaltender zu kleiden. Das geschah oft traditionell unbewusst, weil es üblich war. Beige war deshalb die allgemein akzeptierte würdige Farbe des Alters. 

Mit dem zunehmenden Straßenverkehr, der im beginnenden Wirtschaftswunderland teilweise noch ungeordneter, wilder mit steigenden Unfallopfern verlief, kam auf einmal auch die Fragestellung auf, warum häufig ältere Menschen in Unfälle verwickelt waren?

Eine von mehreren Ursachen schien plausibel, dass auch die Kleiderfarbe, als Sichtbarkeitsfaktor eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte. Von da ab, war die traditionelle beliebte zurückhaltende Farbe der Senioren und Seniorinnen keine reine Privatsache mehr. Für mehr Sichtbarkeit, für mehr Farbe und vor allem für helle Bekleidung in dunkleren Jahreszeiten wurde geworben, mit Erfolg. 

Heutzutage trägt auch die ältere Generation selbstverständlich bunte, knallige Farben. Das wirkt nicht nur mutig, sondern ist im Straßenverkehr sinnvoll, um bei Autofahrern mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das gilt inzwischen sowohl für ältere als auch für jüngere Menschen, sich als Fußgänger und Fußgängerinnen in der Dunkelheit hell zu kleiden, um im Verkehr rechtzeitig gesehen zu werden.   

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